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Rundreise
Türkei 2002

Das ist ja wieder einmal typisch. Da kommen wir mit der
Fähre
nach 40 stündiger Überfahrt in Cesme an und was erwartet
uns? – Der schlimmste Hagelschauer seit langem. Er bricht nicht
nur über uns - natürlich zu dem Zeitpunkt gerade als wir
das Schiff verlassen - herein, sondern lässt auch die in historischen
Kostümen angetretene Folklorekapelle Hals über Kopf flüchten.
Panik bricht aus, alles rennt in der Gegend herum, die Passagiere
werden sämtlich nass und die Zöllner fluchen. Willkommen
in der Türkei.
Natürlich ist alles vorbei, als die Formalitäten erledigt
sind. Wie fahren langsam in unser nahes Hotel, um uns in den heißen
Thermalquellen von der langen Schifffahrt und dem Sturm zu erholen.
An den nächsten beiden Tagen fahren wir vorbei an Opiumfeldern,
Vulkanen, Eisenbahnmuseen und historischen Schlachtfeldern nach Konya,
wo wir zwei Nächte bleiben.
Unser Hotel liegt direkt im Stadtzentrum neben dem Mevlanakloster
und somit scheucht uns der Muezzin tagtäglich um 5 Uhr 30 aus
dem Bett. Wir besuchen trotzdem das Museum der Tanzenden Derwische,
abends eine ihrer beeindruckenden Vorstellungen sowie das berühmte
Kachelmmuseum. Unbestritten der Höhepunkt unseres Aufenthaltes
ist der Besuch in einem traditionellen Hamam (türkisches Bad).
Wir werden geschrubbt, gewaschen, massiert und gesalbt als wären
wir des Sultans Nachfahren höchstpersönlich. Am Abend gehen
wir dann ermattet in das einzige Innenstadtlokal, in welchem Alkohol
ausgeschenkt werden darf. Am Großbildfernseher spielt sich
Bayer Leverkusen um Ruhm und Ehre, die Luft ist verraucht, das Bier
und der Raki schmackhaft (wie man hört) und zur Untermalung
spielt noch ein Alleinunterhalter mit seiner traditionellen Gitarre
und singt dabei wehmütige Lieder dazu. Ein herrlicher Abend.
Anderntags geht es über Nebenstrecken nach Catal Hüyük,
zu den Ausgrabungen der angeblich älteste Stadt der Welt. Wir
bewundern das winzige Museum und fahren dann über den Taurus
Richtung Mittelmeer. Nebenbei besichtigen wir die uralten christlichen
Klosteranlagen von Alahan und kommen kurz darauf ins Tal des Göksu.
Wir folgen dem Fluß in schwindelerregender Höhe und legen
bei seinem nichtssagenden Gedenkstein eine kurze Gedenkminute für
Kaiser Friedrich I Barbarossa ein. Während des zweiten Kreuzzuges
ist er ja bekanntlich hier in der Nähe 1197 ganz unheldenhaft
bei der Flussüberquerung ersoffen.
Während der nächsten zwei Tage stehen Relaxen und Strandleben
im Vordergrund. Unser Stützpunkthotel im feinsandigen Kizkalesi
verlassen wir zu Ausflügen nur vormittags, der Nachmittag gehört
dem Strand und dem herrlich warmen Mittelmeer. Wir besuchen unter
anderem die Priesterstadt Uzuncaburc, die Höhlen von Cennet
et Cehennem sowie die ältesten Pinup-Girls der Welt – die
drei Grazien von Narlinkuyu. Mittags speisen wir fürstlich in
einer einmalig schönen Bucht.

Aber uns ziehts ja weiter nach Osten – weiter in den Orient
hinein. In Antakya sehen wir nicht nur die berühmte Petrusgrotte,
sondern auch das preisgekrönte Mosaikenmuseum und genießen
den geradezu unglaublichen Ausblick vom Burgberg. Die Mittagshitze überstehen
wir im Bazargedränge, abends dinieren wir im Daphnehain – schon
in der Antike ein Ort sagenumrankter Orgien.
Anderntags fahren wir entlang der syrischen Grenze zum Euphrat und
weiter zur sehr sehenswerten Stadt Sanliurfa. Wir besuchen und füttern
die riesigen heiligen Karpfen, denken an die biblische Geschichte
von Abraham und genießen das arabische Flair des Bazars.
Am
nächsten Tag hatten wir Gelegenheit die riesigen Stauanlagen
des Atatürk-Staudammes zu besichtigen. Wir fahren entlang des
aufgestauten Euphrats und kommen am Nachmittag auf das wohl sehenswerteste
historische Denkmal der Türkei – die Grabanlagen auf dem
2250m hohen Nemrut Dagi. Egal wie oft man vielleicht schon da oben
gestanden hat, ein jedes Mal ist man von der schieren Wucht und Schönheit
der Götterfiguren und dem Grabhügel erschlagen. Ein absoluter
Höhepunkt unserer Reise.
Wir überqueren am nächsten Tag frühmorgens diesmal
mit der Fähre den Euphrat und kommen in eine weite Hochebene,
die durchaus an die mongolische Steppe erinnert. Leicht zu glauben,
dass die Vorfahren der Türken Reitervölker aus den innerasiatischen
Steppen waren. Bald sind wir in Diyarbakir – der Hauptstadt
nicht nur der Wassermelonen, sondern auch der Kurden. Auch hier erwischt
uns ein Hagelsturm, was aber der Freundlichkeit der Bevölkerung
und der exotischen Ausstrahlung der Stadt keinen Abbruch tut.
Der Tigris ist zu einem Strom angewachsen und die berühmte
Tigrisbrücke erstaunt wieder einmal durch ihre harmonische Bauweise.
Lediglich die dunklen Basaltsteine der Stadtmauer geben der Stadt – wie
man hört ein durchaus gewolltes – finsteres Aussehen.
Von nun an geht’s stetig bergauf. Wir kommen ins anatolische
Hochland und später an den Van-See. Der See hat keinen natürlich
Ablauf, sodaß das Wasser mit den Jahrhunderten laugenartig
wurde und eine herrliche azurblaue Färbung bekam. Doch zuerst
erkunden wir die Gipfelstraße zum Kratersee des benachbarten
Nemrut Dagi (nicht mit dem Götterberg zu verwechseln).

Oben
angekommen, erwartet uns im Land der unglaublichen An- und Ausblicke
ein weiterer ganz unglaublicher Anblick. Wir fahren auf dem schmalen
Berggrat – vor uns der fast kreisrunde klare Kratersee – hinter
uns der weite azurblaue Van-See und über uns der wolkenlose
tiefblaue anatolische Himmel. Überall liegt noch Schnee und
im Kratersee schwimmen kleine Eisschollen. Tiefe Zufriedenheit und
Ehrfurcht vor dieser herrlichen Gegend erfüllen uns. Vielleicht
einer der bewegensten Augenblicke unserer Reise.
Nach eine Teepause in der örtlichen Polizeistation kommen wir über
einige Pässe zur armenischen Klosterinsel Akhtamar. Die Kulisse
ist auch hier wiedereinmal atemberaubend. Rund um uns schneebedeckte
Berge, der blaue See und zusätzlich eine uralte Klosteranlage,
in der an allen Aussenmauern Szenen aus der Bibel reliefartig eingeschlagen
wurden.
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GLOSSAR: Die Türkei:
Der türkische Staat (Türkiye Cumhuriyeti) hat eine Fläche
von 779.452qkm und etwa 63 Mio Einwohner. Hauptstadt ist Ankara (ca.
3,6 Mio Einwohner), größte Stadt ist Istanbul mit ca. 12
Mio Einwohnern. Die Türkei ist eine Republik mit einer parlamentarischen
Demokratie, in der jedoch das Militär einen großen Einfluß hat.
Nationalfeiertag (Tag der Republik) ist der 29.Oktober. Am 19. Mai
wird der „Tag der Jugend und des Sportes“ gefeiert.
In der Türkei leben neben den in der überwiegenden Mehrzahl
sunnitischer Moslems, auch Christen verschiedenster Richtungen, Juden
und Armenier.
Nicht verschwiegen werden soll auch das wohl dunkelste Kapitel der
Türkei. Im Jahre 1915 kamen etwa 1,5 Mio Armenier bei Umsiedlungsaktionen
in Kleinasien ums Leben. Noch heute ein wunder Punkt in den türkisch-armenischen
Beziehungen.
Kurden:
Eine ethnische Minderheit aus der indoeuropäischen Sprachengruppe,
die etwa 15 Mio Angehörige zählt und vor allem im Südosten
der Türkei heimisch ist. Weitere Siedlungsgebiete sind der Iran,
Iraq und Syrien. Aufgrund der Forderung der Kurden nach einem eigenen
Staat wurde jahrelang Krieg gegen sie geführt, der aber nun offiziell
beendet ist. Bereits die alten Perser erwähnten im 6.Jhd v. Chr.
ein in diesem Gebiet ansässigen Volksstamm „Qurdi“.
Erste Spuren reichen bereits ins 3.Jht. v. Chr. zurück. Im übrigen
sind sämtliche heute in Europa gesprochenen Sprachen indoeuropäischen
Ursprungs. Die Vorläufer werden im Osten der innerasiatischen
Steppen vermutet.
Hamam:
Ein öffentliches „Gemeinschaftsbad“, in dem allerdings
wenn überhaupt nur kleine Heißwasserbecken vorhanden sind.
Es ist eher eine Mischung zwischen Sauna und Dampfbad sowie ein Ort
des geselligen Zusammenseins. Es herrscht strikte Geschlechtertrennung.
Zentrum ist ein im Dampfbereich gelegener riesiger erhitzter Steinsockel
auf dem sichs herrlich ausruhen und entspannen läßt. Im
Vollservice sind eine Waschung und eine knüppelharte Massage enthalten.
Selten wird man sich nachher sauberer gefühlt haben. Im Hamam
bewegt man sich abge-sehen von den obligatorischen Plastikschlappen
und einem (meist) rot-weiß-karierten Hüfttuch völlig
nackt. Das Hüfttuch bleibt jedoch IMMER oben und bedeckt, was
sowieso keiner sehen will! Dem Vorbereich ist oft eine Teestube zugeordnet.
Islam:
„ Islam“ bedeutet „Hingabe an Gott“. „Allah“ ist
kein Eigenname sondern bezeichnet in der arabischen Sprache einfach
das Wort „Gott“. Der Islam wird grob in zwei Richtungen
unterschieden, den Schiiten und den Sunniten. Die Trennung geht unmittelbar
auf den Streit über die Nachfolge des Religionsgründers Mohammed
(570-632 n.Chr.) zurück. In der Türkei leben fast ausschließlich
Sunniten, die Schiiten bilden dagegen die große Mehrheit im Iran.
Die fünf Hauptpflichten der Moslems sind:
- Das tägliche Gebet (5x - Morgendämmerung, Mittag, Nachmittag,
Abend, Nacht) zu denen der Gebetsrufer„Muezzin“ von der
Moschee aus aufruft – heute per Tonband.
- Die Pilgerfahrt nach Mekka, zumindest einmal im Leben
- Fasten im Fastenmonat Ramadan (November im Jahr 2002)
- Entrichtung Religiöser Steuern und
- Gaben an Bedürftige
Der wöchentliche Feiertag ist der Freitag, an dessen Nachmittag
die größten Gebetsversammlungen stattfinden.
Im übrigen werden im Islam das Christentum und das Judentum als „Eingottglaube“ ausdrücklich
als Religion anerkannt. Jesus gilt als Prophet und Vorgänger Mohammeds.
Eine bildliche Darstellung Gottes oder des Propheten ist verboten. Heilige
in unserem Sinne gibt es ebensowenig wie einen Klerus.
Geschichtliches und weitere interessante Infos zur Türkei...
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