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Unterwegs im Iran

Iranischer Supermarkt

Ein typischer iranischer „Supermarkt“ am Straßenrand. Gäste sind stets willkommen (oben).

Im Bazar kann man den Handwerkern bei der Herstellung und Verzierung von Souvenirs und Gebrauchsgegenständen aus Metall oder Holz zusehen. Beeindruckend sind auch die kunstfertigen Miniaturmaler, die eine von den Mongolen übernommene Tradition weiterführen und vor allem mittelalterliche Kriegs- und Turnierszenen auf winzige Kamelknochen festhalten.

Hier herrscht eine angenehme Atmospähre, die Händler bedrängen einen nicht allzu sehr. Im Nu bin ich von einer Schar Studenten umringt, ich werde interviewt, fotographiert und verbringe so einige ausgesprochen nette Stunden mit den sehr wissensdurstigen und durchaus kritischen jungen Leuten.

Das Tanken im Iran ist so eine Sache für sich. Es gibt genügend Tankstellen, ich gewöhne mir aber an, stets Überland zu tanken und mir so die nervenaufreibende Sucherei in den Städten zu sparen. Ausserdem sind dort die Tankstellen stets überfüllt und mangels einer leserlichen Aufschrift kann man sich nicht sicher sein, was man eigentlich da in den Tank gefüllt bekommt. Der Liter „Normal“ ist spottbillig und kostete im Mai 2000 450 Rial, was etwa 0,30 EUR entspricht. Er enthält jedoch irgendeinen Zusatz, der den Verbrauch der GS im Normalbetrieb um ein Viertel senkt. Nach dem ersten Tankstopp dachte ich noch, die Tankuhr würde spinnen, aber bei gemütlicher Fahrweise komme ich etwa 100km weiter als in Deutschland. Jedoch steigt bei Vollgas der Verbrauch sprunghaft an und Beschleunigungsorgien beantwortet der Motor mit einem furchterregenden Ventileklingeln.

Eine der seltenen Polizei-CBX.

IsfahanMalerisch schön, bummeln in den endlosen Bazararkaden von Isfahan

Einst antikes persisches Königreich

Das gewaltige „Tor aller Völker“ in Persepolis (unten).

Das "Tor aller Völker" in Persepolis

Den nächsten Halt habe ich in Shiraz geplant, in dessen Nähe mich die alte Hauptstadt der persischen Großkönige, Persepolis und eine kühle Dusche erwartet.

Je weiter ich in den Süden komme, desto mehr nehmen die Luftspiegelungen zu und ich schwitze trotz des Fahrtwindes immer mehr. Vor mir taucht ein alter R5 besetzt mit 7 Leuten auf. Aus Erfahrung vorsichtig geworden nähere ich mich langsam. Und richtig, knapp vor mir macht der Fahrer einen gewaltigen Schlenkerer nach links um sich sofort wieder zu korrigieren. Aha, nun hat er mich also in seinem Rückspiegel gesehen. Ich beschließe, den ethusiastisch winkenden Insassen genügend Zeit zu geben mich zu betrachten und überhole nicht sofort. Sogar die Mädchen winken wie verrückt und schreien mir Unverständliches zu. Schließlich fahre ich zur Begeisterung aller zügig vorbei.

Überhaupt die GS. Der gelbe Entenschnabel sorgt bei jedem Tankstopp für erregte Diskussionen unter Experten, alleine die Größe der Maschine gebietet Ehrfurcht. Im Iran darf sonst nur die Polizei Motorräder vergleichbarer Größe – zumeist CBX 750 - fahren. Das Fußvolk muss sich mit Krädern bis maximal 125ccm begnügen. Angesichts der Fahrpraxis der durchschnittlichen Iranis erachte ich dies jedoch keineswegs als Schikane oder Einengung der persönlichen Freiheit sondern eher als wohl-gemeinten Beitrag zur Volksgesundheit. Im übrigen hat man nicht gelebt, wenn man nicht Gast eines teheraner Motorradtaxis gewesen ist.......

Oft werde ich nach dem Preis der BMW gefragt und als ich den nenne, herrscht ehrfürchtiges Schweigen. Kein Wunder in einem Land, in dem ein studierter Elektronikingenieur gerade einmal monatlich USD 450 verdient.

Am nächsten Tag wandere ich gemessenen Schrittes vorbei an den übergroßen Sphinxen in Persepolis. Ich bestaune die 3000 Jahre alte Prozession der Völker, die in ihren traditionellen Trachten dem persischen Hochkönig ihren Tribut bringen. Ich erstarre vor Ehrfurcht vor den perfekt dargestellten Elitesoldaten der „Unsterblichen Garde“, eine der ersten Berufstruppen der Weltgeschichte. Für Geschichtsfanatiker wie mich ist dies trotz der Touristenströme ein erhabener Ort, an den ich mich noch lange gerne erinnern werde.

Tags darauf an meinem Ruhetag genieße ich das eigentümliche Flair von Shiraz, einer außergewöhnlich gastfreundlichen Stadt. Ich besichtige die eindrucksvollen Mausoleen der mittelalterlichen Dichter Saadi und Hafiz, sowie den in der Mittagshitze herrlich kühlen Wakil-Bazar, wo ich im Gegen-satz zu Teheran nicht ständig von aufdringlichen Verkäufern belästigt werde.

Grab des auch von den Moslems verehrten biblischen Propheten Daniel

Schmelzpunkt dreier Weltreligionen

Vor dem Grab des auch von den Moslems verehrten biblischen Propheten Daniel, der in Susa nahe der irakischen Grenze beerdigt worden sein soll.

Am Grabmal des Dichters Hafiz – in der persischen Literatur übrigens der Schutzpatron der Liebenden – falle ich einer Horde 17jähriger Schülerinnen in die Hände. Entgegen allen Tra-ditionen stürzen sie bei meinem Anblick sofort auf mich zu – alle sprechen selbstverständlich englisch – und beginnen mich mit ihrem beträchtlichen Charme über mein Privatleben und das Leben in Deutschland auszufragen. Hauptthema sind allerdings mein Status als verheirateter Mann, meine nicht vorhandenen Kinder und die Tatsache, daß meine Frau nun einsam im kalten Deutschland auf mich warten muss. Beim obligatorischen Fototermin rücken mir einige dieser herrlich duftenden Geschöpfe so nahe, daß ich plötzlich Sorge um meinen guten Ruf habe. Als sie schließlich laut schnatternd davonschweben, grinsen mich die zusehenden Gärtner unverschämt an. Shiraz gefällt mir wirklich.

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Dieser Artikel erschien in dem Magazin "Reise Motorrad" Ausgabe 2003/2.

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