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Überleben im Iran

Üblicherweise sind Verkehrszeichen auch englisch ausgeschildert. In der Wüste kann es jedoch Ausnahmen geben.

Es hat einige Tage gedauert, bis ich gelernt habe – lernen mußte - mit den Verhältnissen umzugehen und genauso rücksichtslos zu fahren wie die Iraner, zu drängeln, zu schneiden und auszubremsen. Schumi wäre stolz auf mich gewesen. Mein Meisterstück war sozusagen das pure Überleben in Teheran. Aber ich schweife schon ab.

Von Tabris aus fahre ich über Umwege – von wegen genaue Straßenkarte – ans Kaspische Meer nach Bandar-e-Anzali. Obwohl Meer Meer ist, bin ich froh, lebend und unversehrt angekommen zu sein. Das Wetter ist schön und lädt zu einem Spaziergang an den langen und einsamen Sand-stränden ein. Badende sieht man selten, wenn überhaupt sind es junge Männer. Auf dem Fischmarkt besichtige ich ein paar mickrige Störe – überall wird mir Kaviar angeboten – und werde von ein paar azerbaischanischen "Businessmen" zum Tee eingeladen. Wieviel ein 600er Mercedes Baujahr 1992 in Deutschland kostet? Keine Ahnung.

Am nächsten Tag fahre ich durch endlose Reisefelder die Küste entlang. Vor Meer selbst sehe ich wenig, das Ufer ist vollständig zugebaut und manche Prachtvillen könnten durchaus auch in Nizza oder auf Sylt stehen. Wem die wohl im gestrengen Mullahstaat gehören? Über das Elbruz-Gebirge erreiche in Teheran.

Was so leicht auf der Karte aussieht, erweist sich als beinharter Überlebenskampf. 120 km enge aber fantastische Paßstraßen, tiefe Schluchten, steile Serpentinen, unbeleuchtete Tunnel und jede Menge Verkehr. Auf der ca. 3000m hohen Passhöhe weht mich beinahe ein Sturmböe in ein Schnee-feld. Völlig erschöpft komme ich in Teheran an.

Anzalimonument in Teheran„Was willst Du denn in Teheran?“ hat mich schon der Tourismusmensch an der Grenze gefragt. Und er hatte Recht. Die Leute sind größtenteils großstadtmenschtypisch muffelig, die Taxifahrer unverschämt, die Stadt selbst schmutzig. Selbst das Nationalmuseum ist – wenn man jenes aus Ankara kennt – eine Enttäuschung. Der zu Stein geformte Größenwahn des letzten Schahs – das Anzali-monument – hat natürlich geschlossen und im Bazar kann ich keinen Schritt machen, ohne mich nicht gegen aufdringliche Verkäufer manchmal durchaus mit körperlicher Gewalt wehren zu müssen.

Zu allem Überdruß hat sich ein Teil des Hotelpersonal angewöhnt, mich mit einem schneidigen „Heil Hitler“ zu begrüßen,- wir sind ja alles Arier - in meiner Abwesenheit mit der GS herumzuspielen und meine Packtaschen zu öffnen. Nach drei Tagen habe ich von der Stadt und ihrem Smog die Nase voll und fliehe Richtung Süden.

Lediglich das Mausoleum des Ayatollah Khomeini am äußersten Südrand der Millionenstadt hat meine Erwartungen erfüllt. Im Eingangsbereich des Prachtbaus muß man sich zuerst natürlich die Schuhe ausziehen, der Eintritt ist ausnahmsweise einmal kostenlos, fotographieren ausdrücklich erlaubt. Von wegen würdigem Ernst am Grabmale des asketischen Revolutionsführers. In der riesigen Marmorhalle wird gepicknickt, Fußball gespielt, geschlafen und gebetet. Insgesamt eine sehr beeindruckende Atmosphäre. Ich bin mit Teheran wieder versöhnt.

Mausoleum des Ayatollah Khomeini

Ein Besuch auf dem naheliegenden Märtyrerfriedhof rundet mein Programm hier ab. Der Blutbrunnen blutet aber nicht – sein rot gefärbtes Wasser soll an das im Iran-Iraq-Krieg vergossene Blut der vielen tausend toten Soldaten erinnern. Aber die langen Reihen der Soldatengräber – sämtliche mit Fotos der Verstorbenen behängt - sind auch so beklemmend genug.

Ishfahan ist eine tolle Stadt. Die Bevölkerung ist überaus freundlich und interessiert, die historischen Bauwerke wie die Imam-Moschee äußerst imposant. Nach dem üblichen „auch-ich-bin-hier-gewesen-Triumphfoto“ bringe ich die GS ins einfache aber saubere Hotel um anschließend auf dem großen Imam-Khomeini-Platz einfach die Zeit totzuschlagen.

Imam-Khomeini-Platz

Im 16 Jhd. von den Safawidendynastie als Zentrum Persiens gebaut, sind die damaligen Repräsen-tationsbauten noch vollständig erhalten. Der heutige Platz – seinerzeit als Turnier- und Poloplatz gestaltet – macht mich einfach sprachlos. Er ist 500 m lang und an den Seiten von Bazargassen, einem Palast und zwei wunderschönen Moscheen umgeben.

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Dieser Artikel erschien in dem Magazin "Reise Motorrad" Ausgabe 2003/2.

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