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Heimweh im IranImmer um das Besondere bemüht, habe ich mir in den Kopf gesetzt, einmal mit dem Motorrad am Persischen Golf zu stehen. Im Nachhinein betrachtet eine blöde Idee.
Ich quäle mich also stundenlang über eine zugegebenermaßen phantastische Gebirgsstraße, die auch jedem alpengewöhnten Biker größte Bewunderung abringen würde. Jedoch fordert die unerträgliche Hitze ihren Tribut und ich erleide einen Kreislaufzusammenbruch. Erst eine mehrstündige Rast im Schatten, ein paar mitfühlende Einheimische mit ihren herrlich kalten Wasserfässern und ein Bad im angenehm temperierten Fluss helfen meinen Lebensgeistern die letzten Kilometer zum Golf zu bestehen. Keine Frage, ich habe die Natur hier unterschätzt. Allerdings kommt es noch besser, ich habe anscheinend nach Allahs Meinung noch nicht genug gelitten. Je näher ich der Hafenstadt Bandar-e-Busher komme – die im übrigen keinerlei Sehenswürdigkeiten aufzuweisen hat – desto stärker wird der heiße Wüstenwind aus der arabischen Halbinsel. Die letzten 70km vor der Stadt lege ich in gewagter Schräglage zurück. Busher ansich lohnt keinen Aufenthalt, man begegnet dort jedoch auch einigen russischen Atomingenieuren und vielen afghanischen Flüchtlingen. Am nächsten Morgen fahre ich um 6 Uhr früh durch die Wüstenausläufer entlang der Küste nach Ahvaz. Unterwegs werde ich wieder einmal von den häufigen Polizeikontrollen angehalten. Ich werde in diesem Erdölzentrum mißtrauisch beäugt und meine Papiere penibel genau kontrolliert. Dabei sind die Beamten allerdings nie unfreundlich, ständig werden mir Nüsse und natürlich Wasser angeboten. Allerdings sprechen die wenigsten Beamten englisch. Manchmal stelle ich mich einfach dumm („Alman, Tourist“) die Beamten sind schnell überfordert und genervt und ich kann bald unbehelligt weiterfahren. Ich besuche noch das Grabmal des Propheten Daniel in der schon in der Bibel erwähnten ehemaligen Königstadt Susa. Von dem berühmten Palast der Hochkönige ist aber nur mehr noch ein Lehmhaufen übrig. Wesentlich eindrucksvoller ist der halbrestaurierte Zikkurat von Chogha Zanbil. Die ehemalige elamitische Stadt kann mit dem einzigen erhaltenen Tempeltum aufwarten. So also muss man sich den berühmten Turm zu Babylon vorstellen. Die schieren Ausmaße der mehrstufigen Pyramide machen mich genauso wie die schwüle Hitze sprachlos. Je weiter ich tags darauf nach Norden komme, desto angenehmer wird nun das Klima. Die Landschaft wird gebirgiger und in Bisotoun/Bakhtaran stehe ich wieder einmal sprachlos vor dem riesigen eingerüsteten Felsrelief des Dareios. Um dessen Berg liegt ein kleiner See und ein belebter Park, es herrscht fröhliche Picknickstimmung und ich werde wieder einmal äußerst freundlich aufgenommen. Von dem berühmten Felsrelief selbst ist allerdings leider nicht viel zu sehen.
In Orumiye – am gleichnamigen stinkenden See gelegen – belauere ich Herden von Flamingos und verbringe meine letzte Nacht im Iran. Am nächsten Tag fahre ich zum nahegelegenen völlig unbe-deutenden Grenzübergang Sero, wo mich sowohl die iranischen wie die türkischen Zöllner herzlich aufnehmen und als willkommene Abwechslung in ihrem eintönigen Alltag betrachten. Die "Zivilisation" hat mich wieder. Inshallah.
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KapitelauswahlRundreise Iran Artikel:Dieser Artikel erschien in dem Magazin "Reise Motorrad" Ausgabe 2003/2. |
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